April 12, 2022

Geschäftsbericht 2021

Ein bewegtes Jahr liegt hinter LIEmobil. Das zweite Pandemiejahr zeichnete sich erneut durch tiefe Fahrgastzahlen und entsprechend geringeren Einnahmen aus, was zu einem Jahresverlust von 302 000 CHF geführt hat. Operativ wurde der Linienverkehrsauftrag dem neuen Unternehmer BOS PS Anstalt übergeben, was nicht nur neue Fahrzeuge, sondern auch zahlreiche neue Systeme, Prozesse und Schnittstellen mit sich brachte.

 

Betreiberwechsel Linienverkehr

Das Jahr 2021 stand ganz im Zeichen der Vorbereitungsarbeiten für den Betreiberwechsel von der PostAuto Liechtenstein Anstalt zur BOS PS Anstalt. Dies bedeutete für den Auftragnehmer eine Mammutaufgabe, da dieser 21 neue Fahrzeuge in Betrieb setzte, dazu 21 weitere vom Vorgänger übernahm, ebenso zwei Werkhöfe und rund 100 Mitarbeiter. Dabei waren und sind die Dienstplanung und die Einsatzplanung der Busse zentrale Aufgaben für BOS PS. Für LIEmobil bedeutete der Betreiberwechsel ebenfalls zahlreiche Veränderungen, da dieser ein optimaler Zeitpunkt war, um die Aufgabenteilung zwischen dem Betreiber und LIEmobil zu überarbeiten und die Prozesse zu optimieren. Mit dem Einbau einer neuen Fahrzeugelektronik gab es Anpassungen bei den Echtzeit-, Verkaufs- und Infotainmentsystemen. Die Umrüstung aller Busse auf die neuen Systeme hat sich ins Jahr 2022 hingezogen, sodass demnächst die kontaktlose Bezahlung beim Fahrpersonal angeboten werden kann und auch die Echtzeit-Informationen wieder verfügbar sein werden. Die Betriebsübernahme am 12. Dezember 2021 hat praktisch reibungslos funktioniert, die Probleme bei den Fahrzeugumläufen und Dienstplänen wurden rasch erkannt, teils schon behoben oder sind in Ausarbeitung.

 

Ausschreibungen

Nach der Vergabe des Linienverkehrs, standen bei LIEmobil im Laufe des Jahres weitere Ausschreibungen und Vergaben an. So wurde der Schulbusverkehr für die Jahre 2021 bis 2026 in zwölf Lose aufgeteilt an die Ivo Matt AG und die BOS PS Anstalt vergeben. Der Abendbus Planken wurde von einem Rufbus in fixe Fahrten umgestaltet und wird seit Dezember von der Adera AG in Mauren mit einem neuen Kleinbus gefahren. Die Ortsbusse in Triesen und neu in Balzers wurden ebenfalls ausgeschrieben, die Zuschläge gingen an die BOS PS Anstalt. Schliesslich fanden auch noch Ausschreibungen für den Werbeverkauf und die Fahrscheinkontrolle statt. Die Werbevermarktung der nächsten fünf Jahre wird weiterhin von der Vaduzer Medienhaus AG übernommen, der Auftrag des Kontrollwesens ging an die Bus Ostschweiz AG.

 

Fahrplan

Im Berichtsjahr wurden einige Angebotserweiterungen umgesetzt. So entstand erstmals eine neue Buslinie zwischen Sennwald und dem Liechtensteiner Unterland. Die neue Linie 37 ist auf die Zugsanschlüsse in Sennwald ausgerichtet und bringt Pendler morgens in die Ruggeller Industrie oder weiter nach Bendern und Nendeln sowie abends wieder zurück. Zudem erhielt Ruggell eine Verbindung nach Feldkirch, indem die bestehende Eilbus-Linie 36E bis nach Feldkirch erweitert wurde. Zudem wird seit 2021 Schellenberg abends wieder länger bedient und spätabends und nachts entstanden im ganzen Liniennetz einige neue Verbindungen.

 

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie waren während des Geschäftsjahres 2021 im öffentlichen Verkehr weiterhin deutlich spürbar. Auch wenn die betrieblichen Massnahmen im Vergleich zum Vorjahr weniger einschneidend waren und mit Ausnahme des Nachtbus-Angebots der reguläre Fahrplan ganzjährig aufrechterhalten werden konnte, widerspiegeln die auf tiefem Niveau gebliebenen Fahrgastzahlen und die rückläufigen Aboverkäufe das veränderte Kundenverhalten in dieser unsicheren Lage. Im Jahr 2021 transportierte LIEmobil rund 4.4 Mio. Fahrgäste (2020 waren es 4.2 Mio.). Mit rund 7000 verkauften Abos liegen die Aboverkäufe weiterhin deutlich unter den Ergebnissen vom Jahr 2019 mit über 8000 verkauften Abos, bevor sich Corona verbreitete. Zwar konnten die Einzelverkäufe gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden, jedoch blieben auch sie deutlich unter den Zahlen vor der Pandemie.

Durch den Einbau von Plexiglas-Trennscheiben beim Fahrpersonal und der Maskentragepflicht in den Bussen, konnten grosse Ansteckungswellen beim Personal und dadurch verbundene Ausfälle bei den Fahrten vermieden werden. Anfang Juli 2021 konnte der Nachtbusbetrieb wieder aufgenommen werden. LIEmobil hat im Jahr 2021 seine Marketingaktivitäten hauptsächlich zur Rückgewinnung der Fahrgäste, vor allem der verlorenen Abokunden, eingesetzt.

 

Jahresergebnis

Die Einnahmen aus dem Grundangebot sind im Vergleich zum Jahr 2020 nochmals um 0.6 % zurückgegangen. Gleichzeitig zum Einnahmenrückgang fielen durch den Ausbau des Hauptliniennetzes rund 3.5% höhere Ausgaben an. Dies hatte einen Verlust in der Höhe von 302 000 CHF zur Folge – ein erstmaliges Minus in der Geschichte von LIEmobil. Durch die vor der Pandemie gebildeten Reserven konnte LIEmobil diesen Verlust ohne Nachtragskredit überbrücken. Die Reduktion des Verwaltungsaufwandes um rund 16.5 % ist darauf zurückzuführen, dass die Beratungskosten in Bezug auf die Linienverkehr-Ausschreibung des Vorjahres entfielen.

 

Ausblick 2022

Im aktuellen Jahr feiert der öffentliche Verkehr Liechtensteins sein grosses Jubiläum: seit 100 Jahren existiert der Busverkehr im Land, seit gar 150 Jahren besteht die Eisenbahnverbindung. LIEmobil nimmt die Jubiläen zum Anlass, den öffentlichen Verkehr gebührend zu feiern – sei es mit einem einmaligen Jahresabo, welches als Metallkarte erscheint, einem Jubiläums-Blog (blog.liemobil.li) oder der Präsenz an der diesjährigen LIHGA im September.

 

Der LIEmobil-Geschäftsbericht 2021 kann als pdf heruntergeladen werden.